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Das Wasser ist vielleicht nicht das Allererste, woran man denkt, wenn man an Kafka denkt. Vielmehr sind es die Veränderungen seiner Figuren und ihre Verzweiflung, die im Kopf auftauchen. Aber wenn man Kafkas Kurzgeschichten liest, dann ist es klar, daß das Wasser doch eine wichtige Rolle darin spielt, besonders in Verbindung mit diesen größeren Themen von Veränderung und Verzweiflung. Auf eine mehr spezifische Weise, ist das Wasser ein klares Zeichen von dem Unterbewusstsein und der Suche nach Erklärung in zwei von Kafkas Kurzgeschichten:Das Urteil und der Fährmann. Wenn das Wasser in verschiedenen Formen und Bezügen durch diese Geschichten fließt, hat es immer einen merkwürdigen Effekt auf die Hauptfigur.



In der Literatur wird das Wasser oft als Zeichen des Unterbewusstseins verwendet (Unterrichtsnotizen). In diesem Bezug ist Kafkas Werk keine Ausnahme. Obwohl das Wasser mehrere Themen bei Kafka darstellt, ist die Wichtigkeit des Unterbewusstseins in seinen Geschichten oft anwesend. Diese Bezeichnung erscheint zuerst in seiner Kurzgeschichte Das Urteil, 1912 veröffentlicht. Hier treffen wir Georg Bendemann, als er „aus dem Fenster [seines Privatzimmers] auf den Fluß“ schaut (Das Urteil, 759). Die Lage von Bendemanns Haus ist eine der ersten Sachen, die wir von ihm lernen - es ist eines von vielen “leichtgebauten Häuser”, die in “einer langen Reihe” entlang des Flusses hinziehen (Das Urteil, 759) . Auf dieser Weise ist Bendemanns Leben ein von vielen, die entlang das Wasser existieren. Mit den “Ellbogen auf [seinen] Schreibtisch gestützt”, seinem Gesicht dem Fenster zugekehrt, und einem wichtigen Brief in seiner Hand (Das Urteil, 759), sitzt Bendemann lange in seinem Haus. Wärhend dieses jungen Kaufmann auf das Wasser so nachdenklich hinausschaut, sinkt er tief in seine Probleme hinein, so tief das er kaum einen vorübergehenden Bekannten merkt. Die Geschichte entwickelt sich danach zu einem verwirrenden Kampf zwischen Vater und Sohn, der in dem Urteil des Vaters beendet : den Tod seines Sohnes durch Ertrinken. Die Geschichte, die entlang das Wasser anfängt, hört entlang das Wasser (oder sogar in dem Wasser) wieder auf.


So eine Verbindung zwischen dem Tod und dem Unterbewusstsein erscheint auch in Der Fährmann, ein Fragment von 1920. Hier ist das Unterbewusstsein noch stärker gezeichnet als in Das Urteil, denn fast die ganze Geschichte erfolgt am Meer - ein klares Zeichen des Unterbewusstseins. Der Ödipuskomplex, ein bekanntes Symbol des verträngten Unterbewusstseins, taucht auch wieder auf mit einer Mutterfigur, die auch als Ehefrau beschreibt wird. Aber das Wasser erscheint auch im Bezug auf den Tod in der Figur des allwissenden Fährmanns, der den Ich-erzähler führt. In dieser Weise repräsentiert dieser alte Mann Charon, die Figur aus der griechischen Mythologie, die den Toten durch die Flüße der
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Unterwelt führt. Aber hier gibt es einen wichtigen Unterschied, denn es gibt keine Flüße in Der Fährmann, sondern nur das Meer des Unterbewusstseins. Kafka erstellt seine eigene Welt da, wo der Tod (der Fährmann) auf dem Unterbewusstsein (das Meer) treibt.




Obwohl das Wasser in diesen Geschichten sehr wichtig ist, ist das Land neben dem Wasser auch wichtig - nämlich die Ufer, die in Kafka’s Werk oft erscheinen. In Das Urteil schaut Georg Bendemann nicht nur auf den Fluss, sondern auch auf “die Brücke und die Anhöhen am anderen Ufer mit ihrem schwachen Grün” (Das Urteil, 759). Wenn der Weise in die Kurzgeschichte Von den Gleichnissen “Gehe hinüber” sagt, dann meint er “irgendein sagenhaftes Drüben, etwas, das wir nicht kennen“ (Von den Gleichnissen, 1206). Georg Bendemann bewältigt die Idee von einem “sagenhaften Drüben,” das er nicht kennt - ein unsicheres Ufer, das ihm gegenüber steht. Auch in Der Fährmann gibt es ein Ufer, oder ein Rand zwischen Land und Wasser, wo die Hauptfigur zögert bevor er durch sein Unterbewusstsein geführt wird (Der Fährmann, 1140).


In dieser Weise steht das Ufer für die Suche nach Erklärung. Diese Suche ist ein von den Themen in Kafkas Werk, das mehrmals auftaucht. Das bedeutet nicht, dass viel in Kafkas Werk erklärt wird - im Gegenteil bleibt vieles unerklärt. Aber die Figuren der verschiedenen Geschichten suchen oft nach Erklärung, oft in der Nähe vom Wasser.




Zitierte Werke:

Kafka, Franz.”Das Urteil.” Franz Kafka: Sämtliche Werke. Frankfurt Am Main: Suhrkamp Verlag, 2008. 759, 762.

Kafka, Franz. "Der Fährmann" Franz Kafka: Sämtliche Werke. Frankfurt Am Main: Suhrkamp Verlag, 2008. 1140.

Kafka, Franz.”Von den Gleichnissen.” Franz Kafka: Sämtliche Werke. Frankfurt Am Main: Suhrkamp Verlag, 2008. 1206