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Federzeichnung, 1954, von C.O. Bartning

Im folgenden Aufsatz argumentiere ich, dass Kafkas Geschichte „Vor dem Gesetz“ eine Parabel über die Einwilligung von Menschen gegenüber dem Autorität ist. Ich werde in diesem Aufsatz die Figur des Türhüters untersuchen, um zu verstehen, wie die Autorität selbst in der Geschichte erscheint, und wie das Thema der Hierarchie, mit einer Gruppe über anderen, offensichtlich ist.

In Kürze hat die Geschichte zwei Hauptfiguren: den Türhüter und den Mann vom Lande. Die kurze Geschichte fängt mit einem Mann an. Er ist vor eine Tür zu ein anderes Land oder vielleicht einer Stadt ankommen, in dem er eintreten möchte. Vor der Tür hat der Mann einen Türhüter gefunden, der es dem Mann verboten hat. Der Mann vom Lande hat mehrmals versucht, durch die offene Tür einzutreten. Zuerst hat er versucht, den Türhüter zu bestechen. Dann hat er die Flöhe im Pelzkragen des Türhüters gefragt, ob sie ihm helfen wollten. Aber keine Hilfe ist zu dem Mann vom Lande gekommen. Der Türhüter ist immer vor der Tür geblieben. Durch die ganze Kurzgeschichte hat der Türhüter nie seinen Platz verlassen und der Mann vom Lande ist nie durch die Tür eingetreten. Ich frage mich, warum ist der Mann vom Lande nicht eingetreten? Oder warum hat der Türhüter es dem Mann verboten? Um die obigen Fragen zu antworten, werde ich jetzt die Figur des Türhüters als ein Symbol von Autorität untersuchen.

Kafka beschreibt den Türhüter als eine herrschende Gestalt. Obwohl es nur ein bisschen Beschreibung vom Türhüter gibt, benutzt Kafka ein paar Körpermerkmale, um dem Türhüter Macht zu geben. Zum Beispiel hat der Türhüter eine „große Spitznase“ und einen „langen, dünnen Bart“ und er trägt einen Pelzmantel, der Ideen von Wohlstand und Kraft beschwört. Der Mann sieht hingegen vom Lande niedrig aus. Bevor der Mann vom Lande gestorben ist, ist der Türhüter an ihn angerückt und er „muß sich tief zu ihm hinunterneigen“, um mit ihm zu sprechen. Auch der Türhüter hat behauptet, dass ergrößer und stärker als der Mann ist. Alle diese Beschreibungen der Charakterzüge des Türhüters sind groß. Wenn man Größenunterschied als eine Hierarchie versteht, kann man den Mann als klein und machtlos interpretieren, während der Türhüter groß und kräftig ist. Auf diesem Weg reflektieren die physischen Attribute von den Hauptfiguren den Begriff von Hierarchie.

Zusätzlich spielt Kafka mit der deutschen Sprache, um die Hierarchie zwischen der Mann vom Lande und der Türhüter zu verdeutlichen. Wenn der Türhüter mit dem Mann spricht, benutzt er immer die Du-Form, obwohl er ihn nicht kennt. Zum Beispiel sagt der Türhüter mit dem Mann die erste Bemerkung: „wenn es dich so lockt,...“. Normalerweise würde in diesem Fall man mit der Sie-Form sprechen, aber er spricht mit der Du-Form vielmal. Zumeist benützen Menschen die Du-Form für Kinder oder statusniedrige Leute und die Sie-Form für Leute, die gleich sind. Deshalb sind der Mann und der Türhüter in einer verdrehten Beziehung, die nur für den Türhüter gut ist.

Der Türhüter ist auch kräftiger als der Mann vom Lande, weil er ein Teil von einem größeren System ist. Er ist mehr als ein Mann. Er ist ein Arm des Gesetzes. In dem Text hat der Türhüter dem Mann gesagt, dass er nicht allein ist, sondern es gibt viele Türhüter, die den Mann anhalten werden. Der Türhüter hatte keinen Zweifel, dass das Netzwerk, dessen er ein Teil ist, eine gerechte Angelegenheit war. Er ist ein Teil von einem größeren System, das gerecht sein muss. Er war ruhig, geduldig, und standhaft, weil er auf der Seite von Vorrang gestanden hat. Er hatte keine Angst, anders als der Mann vom Lande, der immer in der Angst gelebt hat, denn er ist in Stillstand geblieben.

Weil der Türhüter dauerhaft wie eine Maschine ist, nicht wie ein Mann, hat der Mann vom Lande geschienen, dem Türhüter komplett zu glauben. Während der Mann gewartet hat, durch die Tür einzutreten, hat der Türhüter Tage und Jahre mit dem Mann dort gestanden. Der Türhüter hat nie seinen Platz verlassen. Er ist nur ein Werkzeug im System. Er ist kein freidenkerischer Mann, sondern er ist eine Maschine. Obwohl der Mann frustriert war, weil er durch die Tür nicht eintreten konnte, hatte er keine Handlungsfähigkeit. Deshalb wartet der Mann, bis er Erlaubnis bekommt, aber er wird sie nie bekommen. Und wenn man dem Türhüter glaubt, wie der Mann vom Lande getan hat, könnte der Mann keine Hoffnung haben ohne Erlaubnis von dem Türhüter. Wenn der Mann keine Erlaubnis bekommen konnte, durch die Tür einzutreten, warum hat er dann nichts mehr gemacht?

Wie oben erwähnt hat der Mann vom Lande den Wunsch, durch die Tür einzutreten. Aber obwohl die Tür offen war, ist der Mann nicht eingegangen. Warum? Weil er sich besiegt gefühlt hat. Wegen seines größeren Körpers war die Kraft des Türhüters zu viel für einen Mann. Deswegen ist der Mann vom Lande folgsam in seiner Situation geworden. Er war gefangen.

Das Thema von Gefangenschaft gefolgt vom Tod wiederholt sich oft in den Werken von Kafka. In anderen Kurzgeschichten wie „Der Geier“ und „Schakale und Araber“ hat Kafka andere Hauptfiguren angeschrieben, die gleichen Situationen anheimfallen. „Vor dem Gesetz“ ist eine von diesen Geschichten.

Text: Kafka, Franz. Der Verschollene. Reclam, 1997.