In Kafkas „Der Prozess“ gibt es zwei Frauen, die zu dem Hauptfigur, K., wichtig sind. Sie haben aber verschiedene Beziehungen mit ihm, und sind wichtig in verschiedenen Weisen. Sie wohnen beide mit K. in dem gleichen Haus, und am Tag seiner Verhaftung sprechen sie mit ihm über was passiert ist.

Frau Grubach

Frau Grubach ist die Vermieterin des Hauses, in dem K. wohnt. Sie wohnt in dem Zimmer gegenüber. K. hat sie als „sehr freundlich“ und „alt“ beschrieben (S. 27, 31). Allmorgendlich brachte Frau Grubach K. um acht Uhr sein Frühstück, außer dem Tag seiner Verhaftung. Während des Morgens seiner Verhaftung musste Frau Grubach in ihrem Zimmer bleiben und durfte zu K. nicht sprechen, was ist nicht typisch, weil normalerweise wurde sie Tages mit ihren Mietern völlig beschäftigt. Als K. zu ihrem Zimmer angekommen ist, hat er gefunden, dass sie auf ihr Strümpfe näht. K. hat sie über ihre Arbeit gefragt, und sagte sie, dass sie nicht zu viel arbeitet, sondern bei Tag arbeitet sie für ihre Mieter und hatte nur den Abend, um sich um ihre Sachen zu kümmern (S. 28).

(Ein Bild, in dem Frau Grubach über K. sich sorgt, copyright Orson Welles‘ The Trial (1962))
(Ein Bild, in dem Frau Grubach über K. sich sorgt, copyright Orson Welles‘ The Trial (1962))


In dem Abend von K.s Verhaftung ging K. zu Frau Grubachs Zimmer, weil er sie um Verzeihung bitten wollte, doch sagte sie, es war nicht wichtig. Sie glaubte nicht, dass seine Verhaftung sehr schlecht war, weil sie „ein wenig hinter der Tür gehorcht hat.“ Darüber sagte sie: „Sie sind verhaftet, aber nicht so wie ein Dieb verhaftet wird,“ und nannte sie K.s Verhaftung „wie etwas Gelehrtes“ (S. 28). Es ist möglich zu denken, vielleicht wusste sie etwas mehr über K.s Verhaftung, beispielsweise warum er eigentlich verhaftet wurde und was er getan hat. Doch glaubte sie vielleicht nicht, dass K. etwas Schlimmes tun könnte, denn sie hat ihn ihren besten und liebsten Mieter auch nannte. K. hat später gesagt, dass sie „eine größere Summe“ von ihm geliehen hat, also ist sie von ihm abhängig (S. 38). Leider ist dies der einzige Fall, in dem der Summe aufgenommen wird.

Nach seinem Gespräch über seine Verhaftung fand K., dass er und Frau Grubach die gleiche Meinung über seine Verbrechung. Er könnte einfach nichts Schlimmes getan hätten. Denn sie hatten ähnliche Meinungen, wollte K. ihr die Hand reichen, um alles in Ordnung zu machen, aber als er sie dafür gefragt hat, hat sie den Handschlug nicht gemacht. Mit Tränen im Augen hat sie ihn statt gesagt, dass er diese Sache nicht so schwer nehmen sollte. K. dachte, natürlich hätte sie den Handschlag vergessen, aber es tat ihn unbequem und er wollte sofort weggehen. Bei der Tür hat er nach Fräulein Bürstner, die eine andere Mieterin ist, gefragt, was ein neues Gespräch bewirkt. Frau Grubach hat die Wesensanlage von Fräulein Bürstner beleidigt, und K. hat aus dem Zimmer wütend gestürmt.

Fräulein Bürstner

Fräulein Bürstner ist auch eine Mieterin in dem Haus. Sie ist eine Schreibmachinistin, die auch sehr oft in das Theater geht. Sie arbeitet viel, und jeden Tag geht sie früh zur Arbeit und kommt spät nach Hause. Sie ist als rothaarig, jung, und schmal beschrieben (S. 38, 31, 32). K. hat gegensätzliche Meinungen über seine Beziehung mit ihr, weil er erst eingesteht, dass er mit Fräulein Bürstner nicht viel mehr als die Grußworte gewechselt hat. Deshalb kennt K. sie nicht so gut. Später hat er jedoch gesagt, dass er sie sehr gut gekannt hat, obwohl er keine Bewiese dafür hatte (S. 31). Es ist kompliziert zu sagen, wie gut er Fräulein Bürstner kennt, weil er auch später sagte, dass er ihren Vornamen nicht wusste (S. 39).

(Fräulein Bürstner und K. von dem Wort-Ensemble in Wien, copyright Stefan Smidt 2008)
(Fräulein Bürstner und K. von dem Wort-Ensemble in Wien, copyright Stefan Smidt 2008)


Fräulein Bürstner hat eine seltsame Reputation, vielleicht weil sie fast nie zu Hause ist, außer zu schlafen. Die einzigen Berichte über ihren Ruf kommen nur von K. und Frau Grubach, daher scheint ihr Ruf mehr als Klatsch als auf Wahrheit zu beruhen. Sie wird „freundlich, ordentlich, pünktlich, arbeitsam“ und auch „ein liebes Mädchen“ von Frau Grubach genannt (S. 30-31). Fast in dem gleichen Atemzug sagte Frau Grubach aber, dass sie zweimal in diesem Monat mit verschiedenen Männern in der Straße gesehen wurde, und sie sollte achtgeben, weil Frau Grubach keine unsauberen Frauen in ihrem Haus wollte. Vielleicht, und was wahrscheinlich die Wahrheit ist, war sie ein Wichtigtuer, weil das auch erklären würde, wie sie möglicherweise mehr über K.s Verhaftung wissen könnte als irgendjemand sonst. Frau Grubachs Meinung über Fräulein Bürstner hatte aber keinen Einfluss auf K., denn K. dachte nur gute Dinge über Fräulein Bürstner. Er hat an Frau Grubach wegen ihre Vorwürfe gebrüllt, und dann ist er weggegangen.

Nach seinem Gespräch mit Frau Grubach wollte K. mit Fräulein Bürstner sprechen. Er sagte, er wollte sich entschuldigen, aber es ist offensichtlich, dass er nur sie sehen wollte. Er hat drei Stunden auf sie gewartet, was sonderbar scheint, und obwohl es Mitternacht war und sie sehr müde war, hat sie K. in ihr Zimmer widerwillig eingeladen. Sie hat mit ihrem Hut noch auf ihrem Kopf gestanden, obwohl sie dreimal ausgesprochen hat, dass sie müde war. Dreimal hat K. auch bemerkt, dass sie müde war, doch ist er eine Weile in ihrem Zimmer geblieben. Während seiner Zeit in Fräulein Bürstners Zimmer hat er viel über seine Verhaftung gesprochen, und sie sprach sehr wenig, außer um ihn zu bitten, leiser zu sein, und bei seiner Situation etwas Hilfe anzubieten. Nach seiner Aufführung seines Morgens hat Fräulein Bürstners Nachbarin einen Knall an der Wand gemacht, was sie erschreckt hat, und was sie bewirkt hat, K. zu bitten, den Raum zu verlassen. Obwohl er wusste, dass sie sehr müde und angstvoll war, hat er sie in eine Ecke gezwungen, um sie zu beruhigen. Dann hat er sie geküsst „über das ganze Gesicht, wie ein durstiges Tier mit der Zunge... auf den Hals, wo die Gurgel ist, und dort ließ er die Lippen lange liegen“ (S. 39). Fräulein Bürstner hat nichts getan, um ihn zu stoppen, aber sie hat an dem Kuss auch nicht teilgenommen.

(Eine gutes Bild von Chantal Montellier von dem Kuss.)
(Eine gutes Bild von Chantal Montellier von dem Kuss.)


In dem letzten Kapitel dieses Buches erschien Fräulein Bürstner wieder, oder jemand, die wie sie aussieht, auf der Straße wieder, aber K. hat nicht mit ihr gesprochen. Er wurde von zwei Männern genommen, aber er wusste nicht genau wo er ging, oder ob er zurück wäre. Es ist möglich, dass K. in seinem Zimmer auf Fräulein Bürstner gewartet hat, weil es gesagt wurde, dass er jemanden erwartet hat (S. 236). Vielleicht war sie spät, oder K. hat wirklich auf die zwei Männer gewartet, aber K. kämpfte nicht um von diesen Männern wegzugehen und um mit ihr zu sprechen. Leider wurde nie aufgedeckte, warum er schnell aufgibt, oder was er zu ihr gesagt hätte.


Autor: Rachael Ciancarelli

Kafka, Franz. Der Process. Fischer Taschenbuch Verlag, 1994