In Kafkas Roman Der Verschollene hat Klara Pollunder eine komplizierte Beziehung mit der Hauptfigur, Karl. Vom Anfang an hat sie eine sehr eindrucksvolle Wirkung auf Karl und ihr Verhältnis zu einander entwickelt sich in eine komische Weise.

In den ersten Seiten des Kapitels ist es dem Leser leicht zu verstehen, dass Klara Karls Ankommen erwartet und sich darauf gefreut hat. Gleich nach der Vorstellung bittet sie ihren Gast darum, ihr das Klavier vorzuspielen, etwas, dass sie offenbar vorher mit ihrem Vater diskutiert hat. Sehr früh im Kapitel bemerkt Karl Klaras Merkmale, z.B. „die roten Lippen die sie hat,“ die ähnlich zu Herrn Pollunders sind und „wie schön sie sich in der Tochter verwandelt hatten.“ Obwohl sie am Anfang wenig zu sagen hat, bleibt Klara lebhaft und lächelt Karl an, weil sie ihn „irgendwie beeinflussen“ möchte. Als sie später Ungeduld in Karl spürt, flüstert sie ihm sogar zu, dass sie bald miteinander verschwinden könnten, als ob das wäre, was Karl unbedingt will. Zwischen Karls Unbequemlichkeit und Klaras verführerischen Andeutungen kann der Leser einen bevorstehenden Konflikt vorhersagen.

Als der Abend weitergeht, beachtet Karl Klaras Sinnlichkeit. Als er sie zum ersten Mal sieht, ist er „überrascht“ von ihrer Schönheit mit ihrem engen faltigen Rock, der „die Stärke der Spannung“ zeigt. Trotz der Aufmerksamkeit, die sie erregt hat, will Karl nach Hause zurückkehren und er flüchtet zu seinen Gedanken, in dem er seinen Onkel wieder trifft. Klara bringt ihn zur Realität zurück, als sie noch einmal versucht, ihn zu engagieren mit den Worten, „Gefällt es Ihnen nicht bei uns?“ Sie ist in diesem Fall erfolgreich und führt ihn weg, aber es passiert nur wegen Karls Hass Herrn Green gegenüber.

Klara und Karl kämpfen miteinander, aber es gibt auch viele Spannung zwischen ihnen.
Klara und Karl kämpfen miteinander, aber es gibt auch viele Spannung zwischen ihnen.

Das Paar geht an Karls Schlafzimmer vorbei aber zu Klaras Enttäuschung hält er vor dem Zimmer. Sie wird plötzlich ungeduldig und sagt in Hast, dass er mit ihr weitergehen soll. In den vorhergehenden Fällen hätte sie sein merkwürdiges Benehmen erklären können, ohne dass sie zugeben musste, dass er wenig Interesse an ihr hatte. Vielleicht erklärt das den Grund für ihre Wut. Interessant ist, wie dieses Ereignis den Konflikt zwischen diesen Figuren beschleunigt. Danach greift sie ihn an, bis er sich von ihr losreißt. Ein paar Sekunden später sagt sie ihm in einer bösen Weise, „Was soll denn das?“ und in Verbindung mit den erotischen Themen des Kapitels „klatschte“ sie auf ihren Rock. Ein Moment später schiebt sie ihn plötzlich kämpferisch in Richtung des Fensters, so dass er fast aus dem Fenster hinausfällt. Was danach passiert ist zwar Rauferei, aber die erotische Atmosphäre bleibt. Er umfasst sie „in ihrem engen Kleid,“ und sie flüstert ihm zu, mit einem „erhitzte[n] Gesicht,“ er soll sie loslassen. Klaras Kraft kommt jetzt in den Vordergrund, als sie ihr Jiu-Jitsu Kenntnisse zeigt und Karl gegen die Wand treibt.

Das Verhältnis zwischen dem Paar hat sich gerade offenbar geändert und jetzt findet man, wie das Gespräch sich auch verändert. In diesem Moment sagt Klara: „Jetzt rühr dich, wenn du kannst.“ Hier ist das erste Mal, dass sie sich duzen. Karl beantwortet sie mit, „Katze, tolle Katze.“ Die Spannung erhöht sich in diesen Momenten und vergrößert auch Klaras Wut. Sie droht, ihm eine Ohrfeige zu geben, weil er sich so schlecht benommen habe, und fängt an, eine emotionelle, übertriebene Tirade, die wenig Sinn macht, zu liefern. Der Leser kann folgern, dass Karls Ablehnung ihr gegenüber etwas mit ihrem Ausbruch zu tun hat, weil sie sagt: „Lohnt es nicht, auf mein Zimmer zu kommen?“ Nach einer Weile denkt sie an Mack, ihren Verlobten, und das bringt sie wieder zur Besinnung. Die Rauferei ist aber hier beendet und Mack scheint Karl als ein „Befreier.“ Sie sagt, dass sie auf ihn warten werde und dass er ihr Zimmer später besuchen soll und erwähnt noch einmal, dass er ihr Klavier vorspielen muss.

Karl verlässt sie, aber später muss er sich von ihr verabschieden und deshalb treffen sie sich noch einmal am Ende des Kapitels. Als er zurückkommt, ist alles anders. Sie sieht sich so verzweifelt und sinnlos aus und das Paar siezt sich, was nach allem, was früher passiert ist, sehr komisch ist. Jetzt trägt Klara ein loses Nachtkleid, was im Gegenteil zu ihren ehemals sehr engen Kleidern ist, und jetzt gibt es keine Spur von der Rauferei. Die einzige Sache von vorher, die noch bleibt, ist Klaras Empfehlung, dass er ihr Klavier vorspielen soll. Sie debattieren eine Weile miteinander, ob er das machen soll. Sie werden sich endlich einig, dass es zu spät ist und sie scheint die Lust zu verlieren, ihm zuzuhören. Als Karl sich mit einer langen Rede verabschieden versucht, verlangt sie noch einmal strenger als vorher, dass er eigentlich vorspielen soll, weil sie einfach nicht bis zum ihren nächsten Treffen warten kann. Karl spielt ein Lied vor und Klara hört fasziniert zu. Am Ende hat sie sogar Tränen in den Augen. Plötzlich stört ein lautes Geräusch diese himmelhafte Stimmung, Mack taucht nämlich mit Händeklatschen auf. Interessant ist, dass Klara ein paar Minuten später nur Augen für Mack hat und nicht so oft auf Karl achtet. In diesem Sinn rettet Mack Karl noch einmal von Klara, obwohl es keine richtige Gefahr in diesem Fall gab.

Die Beziehung zwischen Karl und Klara entwickelt sich fast in einem Kreis. Am Anfang kennen sie sich nicht so gut, aber die Spannung wird bis zur Mitte des Kapitels gebaut. Als sie intimer miteinander werden, duzen sie sich und prügeln sie sich in einer erotischen Weise. Dann ist die Spannung gebrochen und als sie einander wieder treffen, werden sie weniger intim, siezen sie sich und gibt es keine sexuelle Spannung. Am Ende der Szene sprechen sie miteinander fast gar nicht, bis Klara sich fast in Luft auflöst und von Karls Leben verschwindet.
Klara verschwindet von Karls Leben so schnell wie sie in seinem Leben auftaucht.
Klara verschwindet von Karls Leben so schnell wie sie in seinem Leben auftaucht.


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Zitierte Werke:
Kafka, Franz. Der Verschollene. Stuttgart: Reclam, 1997.

Bildquelle:

Digital image. Die Schlacht Der Geschlechter. Ostseewelle, n.d. Web. 20 May 2016. <http://www.ostseewelle.de/aktuell/die-schlacht-der-geschlechter>.

Richards, Sarah Elizabeth. Digital image. Think You’re Being Nice by Slowly Fading Away? You’re Not. E-Harmony, n.d. Web. 22 May 2016. <http://www.eharmony.com/blog/think-youre-being-nice-by-slowly-fading-away-stop-that-now/#.V0XC65ErLIU>.