Der plötzliche Anfang von Kafkas „Der Proceß” schafft die Voraussetzungen für die Verwirrung und die Surrealität des ganzen Romans. In dem ersten Satz schreibt Kafka, „Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet” (9). Der Leser erkennt, dass diese Verhaftung etwas Außergewöhnliches ist. Die zwei Männer, die K. verhaften, sind nicht Polizisten, so viel ist offensichtlich. Der erste Wächter, der K. konfrontiert, „trug ein anliegendes schwarzes Kleid, das ähnlich den Reisenanzügen mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen, ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien” (9). Diese Beschreibung des Wächters funktioniert wie ein Metapher der ganzen Bürokratie, zu der er gehört, weil sie sich durchgehend als praktisch sich vorstellt, während sie gleichzeitig keinen spezifischen Zweck verdeutlicht. K. versucht herauszufinden, wer der Mann ist, aber seine Frage wird ignoriert. K. versucht Frau Grubach, seine Vermieterin, zu finden, um sie zu fragen, warum sie sein Frühstück nicht gebracht hat, aber die Wächter informieren ihn, dass er verhaftet ist und er muss in seinem Zimmer bleiben. Es ist am Anfang des Kapitels, dass eine Menge in dem Gebäude gegenüber sich zu bilden beginnt, aus Leuten die sehen wollen, was mit K. passiert. Diese Menge schaut alles an, was im Rest des Kapitels passiert.

K. wird zunehmend besorgt und aus diesem Grund präsentiert er den Wächtern seine Legitimationspapiere und fragt sie nach einem Haftbefehl. Die Wächter informieren K., dass sie ihm nichts erklären können, weil sie nur angestellt wurden, bei ihm Wache zu halten. Die Wächter werden frustriert wegen K.s Fragen nach der Situation, die sie als kindisch wahrnehmen.

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K. wartet in seinem Zimmer, bis er von dem Aufseher gerufen wird. Er freut sich auf die Möglichkeit, endlich mit jemandem Intelligentem vielleicht zu sprechen, im Gegensatz zu den Wächtern, die er unwissend findet im Vergleich mit sich selbst. K. zieht sich an und geht ins Zimmer von Fräulein Bürstner, seine Nachbarin. Der Nachttisch neben dem Bett der Frau ist in die Mitte des Zimmers gerückt und der Aufseher sitzt dahinter. In der Ecke des Zimmers stehen drei junge Leute, die K. später als die Beamte von der Bank, wo er arbeitet erkennt. K. und der Aufseher fangen an zu sprechen. K. sagt dem Aufseher, dass er wegen der Vorgänge des Tages nicht sehr besorgt ist, weil er keine Schuld hat, davon man ihn anklagen könnte. K. glaubt, nach seiner Unterhaltung mit dem Aufseher, wird alles klar. Der Aufseher widerspricht ihm und erklärt, dass K.s Gedanken falsch sind. „Ich kann auch Ihnen durchaus nicht sagen,“ sagt er, „daß sie angeklagt sind oder vielmehr weiß ich nicht, ob Sie es sind. Sie sind verhaftet, das ist richtig, mehr weiß ich nicht" (20). In dem ersten Kapitel werden wir schon mit der Sinnlosigkeit der Bürokratie präsentiert, die K. anklagt. Die Wächter und der Aufseher sind nur die ersten Bürokraten in einer riesigen Hierarchie, in der die Höchsten unerreichbar sind und die niedrigsten Angestellten nichts Wichtiges mitteilen.

Am Ende der Unterhaltung mit dem Aufseher wird K. gesagt, dass er noch zur Arbeit gehen kann und leben kann wie früher, obwohl er verhaftet ist. K.s Verwirrung wächst noch weiter infolge dieser Offenbarung, aber er ist gleichzeitig erleichtert, dass er mit seinem normalen Alltagsleben weitermachen kann.

K. befiehlt den Beamten ein Taxi zu rufen, damit sie alle sofort zur Arbeit fahren können, ohne ihre Verspätung noch zu vergrößern. Während dieser letzten Szene hat K. das Gefühl, dass die Beamten versuchen ihn zu zerstreuen. Man kann nicht anders, als zu denken, dass K. in etwas ziemlich Schlechtes geraten wird. Der Leser fühlt sich, als ob es einen Gründ oder einen Ausweg für K.s Verhaftung gibt, aber gleichzeitig, dass diese Gründe und Auswege unerreichbar sind.

Wegen K.s Glauben an seine eigene Unschuld und der Seltsamkeit der Situation, überzeugt K. sich im ganzen Kapitel, dass es kein Grund zur Sorge gibt. Alles, was passiert, widerspricht K.s Ideen von der Gerechtigkeit und der Legalität und deshalb kann er die Schwere seiner Lage nicht verstehen.

Literaturverzeichnis:
Kafka, Franz (1990): ˆDer Proceß: Originalfassung; herausgegeben von Max Brod. Frankfurt, M.: Fischer-Taschenbuch-Verl.

Autor: James Borruso